Dritter Gleichstellungsbericht

Digitalisierung geschlechtergerecht gestalten

Der 2021 veröffentlichte Dritte Gleichstellungsbericht (BT-Drs. 90/30750) bezieht sich erstmals auf ein Schwerpunktthema: die digitale Transformation. Die Sachverständigenkommission untersuchte zahlreiche gleichstellungrelevante Aspekte der Digitalisierung in Wirtschaft und Gesellschaft. Dazu gehören beispielweise Arbeitskulturen in der Digitalbranche, Diskriminierungsrisiken algorithmischer Systeme, digitale Gewalt und Geschlechterstereotype in den sozialen Medien. Ein zentraler Ansatz der Sachverständigenkommission ist eine soziotechnische Perspektive auf die Digitalisierung. Technologische Entwicklungen müssen demzufolge im jeweiligen gesellschaftlichen Kontext betrachtet, beurteilt und aktiv gestaltet werden. Dazu gehört auch der Blick auf Geschlechterverhältnisse, die die Digitalisierung prägen und zugleich von ihr geprägt werden.

Dritter Gleichstellungsbericht beim BMBFSFJ

Beauftragung

Im April 2019 beauftragte die damalige Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Franziska Giffey, eine interdisziplinäre Sachverständigenkommission mit der Erstellung des Gutachtens für den Dritten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung. Den Vorsitz hatte Prof. Dr. Aysel Yollu-Tok, die bereits beim Zweiten Gleichstellungsbericht Teil der Kommission war.

Das Gutachten der Sachverständigenkommission wurde im Januar 2021 an die Bundesregierung übergeben und im Juni 2021 als Dritter Gleichstellungsbericht der Bundesregierung mit dem Titel „Digitalisierung geschlechtergerecht gestalten“ veröffentlicht.

Inhalte des Dritten Gleichstellungsberichtes

Geschlechtergerechte Digitalisierung: Zugang, Nutzung, Gestaltung

Der Berichtsauftrag der Bundesregierung lautete: Welche Weichenstellungen sind erforderlich, um die Entwicklungen in der digitalen Wirtschaft so zu gestalten, dass Frauen und Männer gleiche Verwirklichungschancen haben?

Die Sachverständigenkommission entwickelte diesen Auftrag weiter und betrachtete die Digitalisierung schichtweise: von der Digitalbranche über die digitale und die digitalisierte Wirtschaft bis hin zur Gesellschaft insgesamt. Gleichstellungspolitische Strukturen und Instrumente dienen dabei als Nährboden für die Förderung der Gleichstellung in allen Bereichen. Veranschaulicht wurde dies im sogenannten Zwiebelmodell.

Zwiebelmodell: Relevante Bereiche der Digitalisierung

Zentrale Ansätze des Dritten Gleichstellungsberichts

Die Sachverständigenkommission erarbeitete als Grundlage für ihre Arbeit eine Leitidee:

»Gleichstellung bedeutet […] eine Gesellschaft mit gleichen Verwirklichungschancen für alle Menschen unabhängig vom Geschlecht, in der die Chancen und Risiken im Lebensverlauf […] gleich verteilt sind.«

Für die Arbeit am Bericht verständigte sich die Kommission auf zwei zentrale Ansätze, um die Zusammenhänge zwischen digitaler  Transformation und Gleichstellung der Geschlechter zu betrachten: den Ansatz der Verwirklichungschancen des Ökonomen und Philosophen Amartya Sen sowie den soziotechnischen Ansatz nach der Sozialwissenschaftlerin und Informatikerin Enid Mumford.

Zentrale Bereiche für eine geschlechtergerechte digitale Transformation

Technikgestaltung für eine geschlechtergerechte Digitalisierung
Geschlechtergerechter Zugang und Verbleib in der Digitalbranche
Gründungen in der Digitalwirtschaft
Plattformökonomie, neue Formen von Arbeit und Geschlechterverhältnisse
Arbeit und Arbeitsmarkt im digitalen Transformationsprozess
Anforderungen an Kompetenzen und Kompetenzerwerb
Algorithmen und Personalauswahl
Vereinbarkeit von Erwerbs- und Sorgearbeit
Geschlechterstereotype und Soziale Medien
Geschlechterstereotype und Soziale Medien
Geschlechtsbezogene digitale Gewalt
Daten und Grundrechte
Daten und Grundrechte
Gleichstellungspolitische Strukturen und Instrumente
Stärkung von gleichstellungspolitischen Strukturen und Instrumenten

Veröffentlichungen

Die Sachverständigenkommission beauftragte insgesamt 17 eigens für den Gleichstellungsbericht erstellte Expertisen, die öffentlich zugänglich sind. Nach Übergabe des Gutachtens hat die Geschäftsstelle zudem verschiedene Publikationen wie die illustrierte Kurzfassung sowie Themenblätter zu Schwerpunkten des Gutachtens erarbeitet.

Eine vollständige Übersicht der Publikationen, wie die Themenblätter, Dokumentationen sowie die Kurzfassung des Gutachtens und weitere Broschüren finden Sie unter Veröffentlichungen.

Im folgenden Slider finden Sie ausgewählte Publikationen.

Die Sachverständigenkommission

Die Sachverständigenkommission hat ihre Arbeit mit der Übergabe des Gutachtens für den Dritten Gleichstellungsbericht im Januar 2021 beendet. Die Angaben zu den Mitwirkenden beziehen sich auf den Stand bei der Übergabe der Gutachtens.

Prof. Dr. Aysel Yollu-Tok (Vorsitzende)
Volkswirtschaftslehre, Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Prof. Dr. Miriam Beblo
Volkswirtschaftslehre, Universität Hamburg
Prof. Dr. Claude Draude
Informatik, Universität Kassel
Prof. Dr. Thomas Gegenhuber
Betriebswirtschaftslehre, Johannes Kepler Universität Linz
Prof. Dr. Stephan Höyng
Pädagogik, Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin
Prof. Dr. Katja Nebe
Rechtswissenschaft, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Prof. Dr. Caroline Richter
Soziologie, Evangelische Hochschule Bochum
Prof. Dr. Hendrik Send
Betriebswirtschaftslehre, Hochschule Anhalt
Prof. Dr. Indra Spiecker gen. Döhmann
Rechtswissenschaft, Goethe-Universität Frankfurt am Main
Prof. Dr. Timm Teubner
Wirtschaftsingenieurwesen, Technische Universität Berlin
Dr. Stefan Ullrich
Informatik, Weizenbaum-Institut

Geschäftsstelle Dritter Gleichstellungsbericht

Zur wissenschaftlichen und organisatorischen Unterstützung der Sachverständigenkommission wurde beim Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e. V. die „Geschäftsstelle Dritter Gleichstellungsbericht der Bundesregierung“ eingerichtet. Sie bestand aus einem interdisziplinären Team aus Politikwissenschaften, Soziologie, Sozialwissenschaften, Jura, Informatik und Ökonomie und spiegelte die Zusammensetzung der Kommission wider. Die Geschäftsstelle hatte ihren Sitz in Berlin. Mit Abschluss des Arbeitsauftrags beendete sie ihre Tätigkeit zum Ende des Jahres 2022.

Mitarbeitende der Geschäftsstelle

  • Dr. Regina Frey, Leitung
  • Sebastian Scheele, Leitung/Wissenschaftliche Mitarbeiter
  • Dr. Ulrike Spangenberg, Leitung/Wissenschaftliche Mitarbeiterin
  • Mirjam Dierkes, Leitung/Wissenschaftliche Mitarbeiterin

  • Dr. Mara Kuhl, Bereichsleitung/Wissenschaftliche Mitarbeiterin
  • Dr. Johanna Storck, Wissenschaftliche Mitarbeiterin
  • Dr. Andrea Knaut, Wissenschaftliche Mitarbeiterin
  • Jutta Kühl, Wissenschaftliche Mitarbeiterin
  • Melanie Ebenfeld, Wissenschaftliche Mitarbeiterin
  • Dr. Irem Güney-Frahm, Wissenschaftliche Mitarbeiterin
  • Dr. Jana Gerlach, Wissenschaftliche Mitarbeiterin
  • Mona Lach, Wissenschaftliche Mitarbeiterin
  • Torsten Staab, Wissenschaftlicher Mitarbeiter
  • Marie Wittenius, Wissenschaftliche Mitarbeiterin
  • Dr. Lisa Yashodhara Haller, Wissenschaftliche Mitarbeiterin

  • Johanna Fuchs, Studentische Mitarbeiterin
  • Anna Torgovnik, Studentische Mitarbeiterin
  • Lea Möller, Studentische Mitarbeiterin

Zeitstrahl der Berichterstellung und Transfer

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