Nationalen Aktionsplan Soziotechnischer Innovationsstandort Deutschland entwickeln

Quelle: Dritter Gleichstellungsbericht, Kapitel B.I.3, S. 120 f.
Steckbrief
Adressat*innen
  • Bundesregierung
Gleichstellungsbericht

Dritter Gleichstellungsbericht, Kapitel B.I.3, S. 120 f.

Themenfelder
  • Arbeit
  • Digitalisierung

Die Sachverständigenkommission empfiehlt, technologische Innovation nicht als neutrales und universelles Instrument zu verstehen, sondern als gestaltbare und gestaltungsbedürftige soziotechnische Innovation. Damit geht ein Verständnis von Nachhaltigkeit im Sinne der UN-Nachhaltigkeitsziele einher, das wirtschaftliche, soziale und ökologische Werte verknüpft und dabei gleiche Verwirklichungschancen unabhängig von Geschlecht einschließt. Die Stärkung eines solchen geschlechtsbezogenen und nachhaltigen Innovationsbegriffs macht weibliche Gründungsaktivitäten sichtbarer.

Notwendig ist aus Sicht der Sachverständigenkommission eine von der Bundesregierung angestoßene zivilgesellschaftliche Debatte mit Unternehmen, Wissenschaft und Verbänden darüber, was in diesem Kontext unter Innovation zu verstehen ist. Eingeleitet werden kann dieser Diskussionsprozess beispielsweise durch die Expert* innenkommission „Forschung und Innovation“ unter Einbezug der Expertise der Geschlechteforschung.

Die Sachverständigenkommission schlägt die Etablierung des nationalen Aktionsplans Soziotechnischer Innovationsstandort Deutschland vor. Wenn Deutschland und Europa eine eigenständige Zukunftsstrategie Digitalisierung etablieren wollen, die sich von dem amerikanischen Silicon Valley und dem chinesischen Modell absetzt, ist ein neues Verständnis von Innovationen nötig, das mit einem gleichberechtigteren Bild digitalisierungsbezogener Unternehmensgründungen einhergeht. Die Etablierung eines soziotechnischen Innovationsverständnisses baut herrschende Geschlechterstereotype und damit auch geschlechtsbezogene Zugangsbarrieren ab. Umgekehrt kann der Einbezug der Geschlechterdimension innovativ wirken, wie das Projekt „Gendered Innovations“ der Stanford University mit zahlreichen Fallstudien und Best Practices aus dem MINT-Bereich belegt.