COP 30: Ein gleichstellungspolitischer Blick

Vom 10. bis 21. November 2025 fand in Belém, Brasilien, die 30. UN-Klimakonferenz statt.

Regierungsvertreter*innen aus aller Welt kamen dabei zusammen, um darüber zu beraten, wie das Pariser Klimaabkommen weiter umgesetzt werden kann. Verhandelt wurde, welche Maßnahmen nötig sind, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen und wie die dafür erforderliche Finanzierung sichergestellt werden kann.

Auch das Thema Geschlechtergerechtigkeit spielte dabei eine wichtige Rolle. Wie der Vierte Gleichstellungsbericht deutlich macht, sind Klima- und Gleichstellungsfragen eng miteinander verknüpft: die Folgen des Klimawandels treffen nämlich Frauen, einkommensschwache Menschen und andere strukturell benachteiligte Gruppen besonders stark.

Das Lima Work Programme on Gender und der Gender Action Plan

Bereits im Jahr 2014 verabschiedeten die Mitgliedsstaaten der UN-Klimarahmenkonvention das Lima Work Programme on Gender (LWPG). Ziel dieser Initiative ist es, Geschlechtergleichstellung durch stärkere Repräsentanz von Frauen innerhalb von klimapolitischen Organen und bei der Umsetzung des Pariser Klimaabkommens zu fördern. Im LWPG wurde auch gefordert, dass die Vertragsstaaten ihre Klimapolitik gendersensibel ausrichten. Geschlechtergerechte Klimapolitik soll zudem bei allen relevanten Aktivitäten der Klimarahmenkonvention verwirklicht werden.

Das Lima Work Programme wurde erstmalig 2017 bei der COP 23 mit einem Gender Action Plan (GAP) unterlegt. Der Gender Action Plan legte fünf Schwerpunktfelder fest, zu denen verschiedene konkrete Aktivitäten formuliert sind. Diese Aktivitäten sollen von der UN selbst, den Vertragsstaaten oder auch nationalen Organisationen und der Wissenschaft umgesetzt werden, um Geschlechteraspekte bei Maßnahmen gegen den Klimawandel zu berücksichtigen.

Der zweite (erweiterte) GAP wurde auf der COP 25 im Jahr 2019 beschlossen.

Der Belém Gender Action Plan 2026 – 2034

Auf der 30. Weltklimakonferenz wurde nun ein neuer Gender Action Plan für die Jahre 2026 bis 2034 verabschiedet, um die Maßnahmen der Schwerpunktfelder zu aktualisieren.

Dazu hat der Subsidiary Body for Implementation (SBI – ein Nebenorgan der COP) in mehreren Sitzungen im Jahr 2025 einen solchen erweiterten GAP vorbereitet.

Das erste auf der Weltklimakonferenz vorliegende Dokument enthielt zunächst 99 ungelöste Diskussionspunkte in Klammern. Differenzen zwischen den Vertragsstaaten hatten zwischenzeitlich bis zu 496 Debattenpunkte ausgelöst – dass der Plan dennoch verabschiedet wurde, ist ein großer Erfolg.

Ein besonders kontrovers diskutiertes Thema war die Definition des Gender-Begriffs, denn mehrere Staaten sprachen sich für eine rein biologische Definition aus. Diese Forderung fand jedoch keinen Eingang in den finalen Text. Auch der Begriff „sexuelle und reproduktive Gesundheit“ war ein Streitpunkt. Er wurde ebenfalls nicht in das endgültige Dokument aufgenommen.

Trotz dieser Herausforderungen, bringt der neue GAP bedeutende Fortschritte. Der Plan umfasst 27 Aktivitäten in den fünf festgelegten Schwerpunktbereichen der bisherigen GAPs. Damit ist eine wichtige Grundlage für die Umsetzung von Gleichstellung, auch auf nationaler Ebene, geschaffen.

Schwerpunkte des GAP

Ein besonderer Erfolg des Gender Actions Plans: Er erkennt ausdrücklich einige strukturell benachteiligtean und sieht Richtlinien vor, um Personen zu schützen, die sich für die Umwelt einsetzen. Zudem schafft er Raum, um Themen wie Care-Arbeit, Gesundheit und Gewalt gegen Frauen stärker in den Fokus zu rücken. Die Forderung, Geschlechter- und altersdifferenzierte Daten zu erheben, ist durchgängig verankert.

Auch wenn klare Indikatoren für eine verbindliche Rechenschaftspflicht fehlen, ermöglicht der Plan freiwillige nationale Berichterstattung über bestehende Instrumente wie die Biennalen Transparenzberichte, die Vertragsparteien des Pariser Klimaabkommens alle zwei Jahre vorlegen müssen. In diesen Berichten informieren die Staaten unter anderem über die Auswirkungen des Klimawandels, Anpassungsmaßnahmen sowie über Fortschritte in der finanziellen und technologischen Entwicklung.

Der Belém Gender Action Plan.

Was sonst auf der COP30 passiert ist

Im Vorfeld der Klimakonferenz in Belém veröffentlichte die Association for Women’s Rights in Development (awid) ein Dokument mit Themen und Forderungen an feministische Klimaaktivist*innen bei der COP 30: „Linking Feminist Economic Alternatives and Climate Justice”.

Sie formulierten konkrete Lösungsansätze für die zentralen Sektoren der COP30-Aktionsagenda: Agrarindustrie und Ernährungssysteme; Energie; Wälder, Ozeane und Biodiversität; Städte und Infrastruktur sowie menschliche und soziale Entwicklung.


Am 20.11.2025 fand der Launch eines Tools statt, mit dem die Integration von Gender in der Klimapolitik bewertet werden kann.

Das Tool soll die Klimaschutzpläne der Länder anhand von sechs Dimensionen analysieren: wirtschaftliche Sicherheit, unbezahlte Pflegearbeit, Gesundheit, geschlechtsspezifische Gewalt, Teilhabe und Führungsrolle sowie Gender-Mainstreaming. Eine Scorecard identifiziert Fortschritte und Lücken, um geschlechtergerechte Klimaschutzmaßnahmen zu verbessern.


Der Gender Just Climate Solutions Award wurde von WECF und der Women and Gender Constituency vergeben und feierte 10-Jähriges Jubiläum. Hier geht es zum Beitrag.