Innovative Frauen in Landwirtschaft und im ländlichen Raum
Das EU-geförderte Forschungsprojekt FLIARA zu frauengeführten Innovationen in Landwirtschaft und im ländlichen Raum kam am 17.10.2025 mit einer Tagung in Brüssel zu seinem Höhepunkt und Abschluss. Für eine gleichstellungsorientierte sozial-ökologische Transformation sind innovative Landwirtinnen und Akteurinnen im ländlichen Raum unverzichtbar. Die Ergebnisse, die aus dem Projekt hervorgehen, können gemeinsam mit den Handlungsempfehlungen des Vierten Gleichstellungsberichts genutzt werden, um den Agrarsektor und den ländlichen Raum nachhaltiger und geschlechtergerechter zu gestalten.
“Women contribute to all dimensions of sustainability in rural and farm settings.” (Maura Farrell, FLIARA Projektkoordinatorin, Universität Galway)
FLIARA – Female-Led Innovation in Agriculture and Rural Area
Vor dem Hintergrund, dass Frauen im Agrar- und ländlichen Sektor lange Zeit nicht sichtbar und unterrepräsentiert waren, erhielten viele von Frauen vorangetriebene Innovationen und Praktiken kaum Aufmerksamkeit. Nicht nur schränkt das die potenzielle Wirkung ein, es trägt auch zu der Vorstellung bei, dass Frauen in diesen Bereichen eine untergeordnete Rolle spielen.
Das Forschungsprojekt FLIARA hat das Ziel, die Sichtbarkeit und Anerkennung der Beiträge von Frauen in Landwirtschaft und im ländlichen Raum zu erhöhen und sie in ihrem Handeln zu unterstützen. Das Projekt möchte die Akteurinnen vernetzen und durch die erforschten Innovationen lernen, wie bestehende Hürden überwunden werden. Aus den Forschungsergebnissen ließen sich dann konkrete Politikempfehlungen ableiten. FLIARA zielt darauf ab, Bedürfnisse und Herausforderungen von Frauen zu untersuchen, die innovative Umwelt- und ländliche Entwicklungspraktiken in der Landwirtschaft und in ländlichen Gebieten der EU vorantreiben.
“If you can see it, you can be it” (Blátnaid Gallagher, FLIARA Botschafterin, Landwirtin)
- Foto: Bundesstiftung Gleichstellung
Women Leading Rural Innovation: From Vision to Action
Um das Ziel der Sichtbarkeit innovativer Frauen in Landwirtschaft und im ländlichen Raum zu erreichen, bot die Abschlusstagung „Women Leading Rural Innovation: From Vision to Action“ eine passende Plattform. Am 17.10.2025 ermöglichte die Veranstaltung im Gebäude des Europäischen Ausschusses der Regionen die Gelegenheit, dass sich Menschen aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft und politische Entscheidungsträger*innen auf allen Ebenen mit den Ergebnissen des Projekts auseinandersetzen konnten. Auch die Bundesstiftung Gleichstellung war dabei vertreten.
“The potential of rural women to drive sustainability transitions remains largely untapped” (Maura Farrell, FLIARA Projektkoordinatorin, Universität Galway)
Landwirtschaft und ländliche Räume in der sozial-ökologischen Transformation
Landwirtschaft und der ländliche Raum nehmen eine wichtige Rolle im Vierten Gleichstellungsbericht ein. Der Gleichstellungsbericht zeigt, dass insbesondere in der Landwirtschaft tiefsitzende geschlechterspezifische Ungleichheiten verwurzelt sind. Betriebe werden zu großen Teilen durch Männer geleitet, die soziale Absicherung ist insbesondere für Frauen ohne Arbeitsvertrag mangelhaft, Ressourcen wie Boden und Geld sind ungleich verteilt und auch die Arbeit ist geschlechterstereotyp aufgeteilt.
Beim derzeit stattfindenden Wandel des Agrarbereichs zu mehr ökologischem Landbau dürfen sich diese Ungleichheiten nicht festigen. Stattdessen besteht gerade jetzt die Chance auf Veränderung der bisherigen Strukturen. Daher liegt es an der EU, Bund und Ländern, Rahmenbedingungen für eine geschlechtergerechte sozial-ökologische Transformation in der Landwirtschaft zu schaffen.
Während sich die Handlungsempfehlungen der Sachverständigenkommission des Gleichstellungsberichts in erster Linie an die Bundesregierung und staatlichen Akteur*innen richten, braucht es gleichzeitig Menschen, Organisationen und Betriebe vor Ort, die Gleichstellung in der sozial-ökologischen Transformation umsetzen. Landwirtinnen und Frauen im ländlichen Raum spielen dabei eine Schlüsselrolle: als Innovatorinnen, Multiplikatorinnen und Vorbilder.
“Empowerment to innovate comes from a confidence, that networks can provide” (Ursula Kelly, FLIARA Botschafterin, Landwirtin)
Innovative Landwirtinnen und Frauen im ländlichen Raum aus Deutschland
Im Rahmen des FLIARA-Projekts wurden über 200 Beispiele innovativer Frauen aus 10 EU-Ländern untersucht, Vorschläge für politische Rahmenbedingungen erprobt und praktische Instrumente entwickelt. 20 dieser Interviews führte die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde in Deutschland durch. Die Ergebnisse dieser Interviews (FLIARA 2025 D3.3, S. 79) zeigen unter anderem, dass die befragten Landwirtinnen davon angetrieben sind, gesellschaftliche Nachhaltigkeitsziele erreichen zu wollen. Sie teilen die Überzeugung, dass Menschen, die täglich landwirtschaftliche Produkte konsumieren, mehr über die landwirtschaftliche Produktion sowie die wirtschaftliche und soziale Situation der Landwirt*innen wissen sollten. Durch die Verbreitung dieses Wissens soll unter anderem ein Umdenken zu weniger Essensverschwendung bewirkt werden.
Eine der deutschen FLIARA Botschafterinnen, Linda Kelly, hat beispielsweise auf ihrem Biobauernhof die Produktion und Direktvermarktung der Hülsenfrucht Süßlupine etabliert. Die Lupinenproduktion trägt zur Biodiversität und zum Naturschutz bei. In Zeiten des abnehmenden Fleischkonsums stellen Proteinquellen wie die Süßlupine gesunde Alternativen dar. Zudem können Lupinen in Trockenform zu Gewürzen oder Mehl verarbeitet oder als Öl in der Kosmetikproduktion verwendet werden. Mehr Informationen zu Linda Kelly gibt es unter diesem Link.
Handlungsempfehlungen für EU, Bund, Länder und Kommunen
Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde formulierte anhand der ermittelten Forschungsergebnisse vier Leitfäden für Entscheidungsträger*innen. Diese beziehen sich auf Frauennetzwerke, maßgeschneiderte Maßnahmen zur finanziellen Unterstützung und zur Kompetenzentwicklung, Stakeholder Engagement sowie Mutterschutz für Selbstständige.
Diese Politikempfehlungen gehen Hand in Hand mit den Handlungsempfehlungen des Vierten Gleichstellungsberichts zur Gleichstellung im Bereich der Landwirtschaft. So fordert die Sachverständigenkommission des Vierten Gleichstellungsberichts unter anderem,
- die gerechte Verteilung durch gerechte Bodenpolitik zu ermöglichen,
- die Gestaltungsmacht von Frauen in Entscheidungsgremien zu erhöhen und Organisationsstrukturen zu stärken,
- Elternschaft geschlechtergerecht zu ermöglichen, Mutterschutz und Elternzeit durchzusetzen, indem u. a. ein Mutterschutz für Selbstständige eingeführt wird und
- geschlechtergerechte Datenerhebung und Wissensproduktion umzusetzen.
Mehr Informationen zu Landwirtschaft im Vierten Gleichstellungsbericht finden Sie in Kapitel B.3., Landwirtschaft.
Mehr Informationen zu FLIARA finden Sie auf der Website: https://fliara.eu/